Die Spuren des Walliser Weinanbaus reichen weit zurück Viel wissen wir noch nicht über den Ursprung des Weinanbaus im Wallis. Doch seit auf Initiative des Walliser Reb- und Weinmuseums ein umfangreiches Forschungsprogramm lanciert wurde, verfügen wir über weitaus mehr Informationen.
Die Forscher datieren die Anfänge des Weinanbaus auf etwa 4000 vor Christus. Sein Ursprung könnte im Südosten Anatoliens liegen, in der Tiefebene von Euphrat und Tigris, nördlich des fruchtbaren Halbmondes, der Region, die als Wiege der Landwirtschaft angesehen wird. Es vergingen mehrere Jahrhunderte, bevor der Weinanbau zu uns gelangte - über die Griechen und Römer, die wesentlich zu seiner Verbreitung beitrugen.
Im Gegensatz zu bisherigen Annahmen wissen wir heute, dass nicht die Römer den Wein in unsere Gefilde brachten. Die ersten Spuren in unserem Land sind bedeutend älter: Traubenkerne aus der Eisenzeit (zwischen 800 und 500 v.Chr.) wurden im Oberwallis, in Gamsen bei Brig, entdeckt. Doch handelte es sich um wilden oder angebauten Wein? Die Untersuchungen, die sich auf die Indizien aus Gamsen stützen, werden uns in den kommenden Jahren hoffentlich darüber Aufschluss geben.
Die Forscher sehen jedoch als sicher an, dass schon die Römer Weinbau betrieben. Dank einer Keramikflasche, die in der Nähe von Sembrancher in einem Keltengrab gefunden wurde, ist gewiss, dass die Bewohner des Wallis 150 Jahre v.Chr. ihren Toten Wein auf den Weg gaben, woraus man schliessen kann, dass sie auch zu Lebzeiten Wein tranken.
Jüngste historische Untersuchungen haben bestätigt, dass schon im 12. Jahrhundert systematisch Wein angebaut wurde. Jedoch büsste der Klerus (Mönche und Abteien) dadurch die Exklusivität auf diesem Gebiet ein. Diese Feststellung wurde dank der Einsicht in zahlreiche öffentliche und private Archive möglich. Die Notariatsurkunden waren sehr aufschlussreich, insbesondere die sogenannten „Anerkennungen", in denen die damaligen Pächter bescheinigten, dass ihnen der Boden von einem „Seigneur" überlassen worden war. Diese Archive belegen vor allem die Bedeutung der Reben und des Weines im ausgehenden Mittelalter. Auf 6300 analysierten Seiten fanden sich 3700 Verweise auf Reben und Wein. Auch stellten die Forscher fest, dass schon damals Weinbaugebiete aufgrund ihrer Qualität bewirtschaftet wurden, Wein jedoch auch an sehr ungewöhnlichen Orten, so etwa in bestimmten Seitentälern, angebaut wurde.
Mit Ende des Mittelalters nehmen die Informationsquellen zu. Schriftliche Zeitzeugenberichte erwähnen ein Anbaugebiet, das sich von Brig bis nach St. Maurice erstreckte und dessen Bewirtschaftung flussabwärts der Rhône intensiver wurde. Historische Unterlagen verweisen auf Rebarten, die sehr wahrscheinlich als einheimische Arten angesehen werden können und die heute zu den „Juwelen" unserer Weinkultur zählen.
Ab dem 18. Jahrhundert ist von „Weinexporten" aus dem Wallis in andere Teile der Schweiz die Rede.
Die Fortschritte bei der Erforschung der Geschichte der Reben und des Weines im Wallis können auf der Website http://www.histoireduvin.ch verfolgt werden.