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Mauern aus Trockenstein

Jeder Besucher des Wallis stellt mit Begeisterung fest, dass viele der Weinberge von Mauern aus Trockenstein horizontal durchzogen werden. Ungefähr 1500 von den insgesamt 5200 Hektar Weinbaugebiet des Wallis sind in Terrassen angelegt, die von Trockensteinmauern getragen werden. Letztere bestehen nur aus über- und nebeneinander geschichteten Steinen, die ohne jeglichen Mörtel erbaut wurden. Wenn man diese Mauern aneinanderreihen würde, käme man auf eine Gesamtlänge von ca. 3000 km, d.h. die Hälfte der berühmten Chinesischen Mauer. Die höchsten Mauern im Wallis sind höher als 15 Meter, und bei einigen ist die Fläche der Mauer grösser als die der gestützten Terrasse.

Diese Trockensteinmauern sind nicht von genialen Architekten entworfen worden - sie sind das Werk beherzter Bewohner der Region, die ihr tägliches Brot im Schweisse ihres Angesichts verdienen mussten. Die Mauern tragen zwar entscheidend zur Schönheit der Walliser Landschaft bei, dienen aber in erster Linie dazu, an kargen und steilen Hängen Wein anzubauen. Die so entstandenen Terrassen sind seit jeher der beste Boden, auf dem man inmitten der Alpen die typischen einheimischen späten Rebsorten anbauen kann, auf die das Wallis so stolz ist.

Man geht davon aus, dass die ersten Trockensteinmauern in der Alpenregion vor ungefähr tausend Jahren entstanden. Ihre Bauweise stand schon damals im Einklang mit der Umwelt, die verwendeten Materialien befanden sich direkt vor Ort und müssen nicht erst mühsam und kostenintensiv herangeschafft werden. Gleichzeitig schlug man zwei Fliegen mit einer Klappe: indem man die grossen Steine zum Mauerbau einsetzte, befreite man zugleich die neue Terrasse von unliebsamem Geröll.

Die Trockensteinmauern der Walliser Weinberge sind ein wertvolles Kulturgut, das erhalten werden muss. In einer Zeit, in der sich die meisten Unternehmen allein der Rationalisierung und Senkung der Produktionskosten verschrieben haben, könnten einige Winzer der Versuchung erliegen, diese Bauwerke durch andere zu ersetzen, deren Pflege weniger kostspielig ist. Die politischen Verantwortlichen scheinen jedoch die Wichtigkeit der von Menschenhand geschaffenen, die Landschaft prägenden Mauern aus Trockenstein verstanden zu haben. Ein Programm zu ihrer Erhaltung wird derzeit eingeführt. Es sieht unterstützende Massnahmen vor und zielt auf die Bewahrung des handwerklichen Know-hows, das sonst aussterben würde.

 

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Trockensteinmauern