Merlot Die Weinbauforscher wissen nicht sehr viel über die frühere Herkunft dieser Rebsorte. Man hat das Bordelais (Gegend um Bordeaux) in Erwägung gezogen, denn in dieser Region wurde er schon Mitte des 19. Jahrhundert genau beschrieben. Es handelt sich in der Tat um eine der traditionellen Rebsorten, die in den Mischungen aller grossen Schlosskellereien im Bordeaux Eingang fand. Der Merlot macht nämlich 95 % des gesamten Rebsortenbestandes der berühmten Schlosskellerei Petrus aus. Diese Rebsorte wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts (1907) im Tessin eingeführt. Sie hat dort nach und nach die weniger interessanten Rebsorten ersetzt. Im Wallis ist ihr Erscheinen neueren Datums.
Der Merlot ist eine sehr ertragreiche Rebsorte mit üppiger Blattbildung. Seine Blütezeit ist unregelmässig, eher spät, und er erreicht den Reifestand etwa zehn Tage später nach dem Gutedel (2. Dekade). In sehr trockenen Böden kann diese Rebsorte an Wassermangel leiden. Im Bordelais pflanzt man ihn vor allem in ton-kalkhaltiger Erde am Fusse von Hügeln. Man sagt dem Merlot nach, dass er den Grauschimmel und Mehltau zu fürchten hat und an Zerrieselung leidet, wenn die klimatischen Bedingungen zur Blütezeit unvorteilhaft sind.
Der Merlot-Rebstock ist mit üppigem, zurückfallendem Laub befrachtet. Die erwachsenen Blätter sind gross, sehr gezackt. Die Blasenbildung ist hervorstechend. Was die Trauben anbelangt, so sind sie gross, lose, oft geflügelt, mit kleinen rundlichen Beeren, die von bläulicher, ins Schwarze gehender, Farbe sind.
Der Wein, welcher aus der Merlot-Traube gewonnen wird, ist im Allgemeinen von einer schönen Fruchtigkeit geprägt (nach roten und schwarzen Beeren schmeckend) und erweist sich als fein, rund und ziemlich kräftig; oft mit einem feinen Hauch von Efeu. Wird jedoch aus unreifen Trauben Wein gemacht, kann ein Geschmack nach Gras und Laub die Oberhand gewinnen.
In Frankreich steht der Merlot an dritter Stelle der angepflanzten Rebsorten. Man ist ihm 1999 auf beinahe 100'000 ha begegnet. Allein in Gironde (Bordeaux) ist er mit 60'000 ha gegenwärtig. Er ist ebenfalls in allen anderen Weinbauländern verbreitet. Man schätzt, dass der Merlot weltweit auf 200'000 ha kultiviert wird. Die Schweiz leistet ihren Beitrag, indem 85 % der Tessiner Weinberge mit Merlot besetzt sind. Im Wallis macht er seit kurzem Fortschritte. 1991 sprach man gerade von einen Hektar! Im Jahre 2000 konnte man schon fast 7 Hektare zählen und 16 Hektare zwei Jahre später.
Der Merlot ist ein Wein der Gastronomie, der sich gut als Begleiter von nicht zu kräftigen Fleischsorten eignet (eingemachte Ente, Wachteln, Perlhuhn, Masthühnchen, Kapaun...). Man schätzt ihn auch zu einem Tournedos an Morchelsauce, einem Filet Wellington, Hasenpfeffer oder ganz einfach zu einer Käseplatte. Auch wird dem Merlot nachgesagt, dass er der am besten passende Wein zu Pilzgerichten sei.