Ermitage (weisse Marsanne) Wie jener aller Rebsorten, liegt der anfängliche Ursprung der Marsanne wahrscheinlich in Persien. Man hatte jedoch ihre Spur verloren, um sie erst viel später an den Rhoneufern wieder zu finden, wo sie seit sehr alter Zeit kultiviert und wahrscheinlich von den Römern mitgebracht wurde. Ihre Ankunft im Wallis datiert um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Walliser haben ihr den Namen Ermitage gegeben, als Ehrerbietung an die Ländereien von Tain l'Hermitage, wo es der Marsanne gefällt und etwa hundert Hektaren damit bedeckt sind.
Durch die sehr späte Lese (3. Dekade) erweist sich die Marsanne als sehr anspruchsvoll. Sie beansprucht die besten und sonnigsten Lagen. Fehlt es an diesen Voraussetzungen, gewinnt man nur mittelmässige Weine. Zum gleichen Resultat führt auch, wenn die fruchtbaren Rebstöcke zu dicht gepflanzt werden. Widerstandsfähig in der Farbe, fürchtet die Marsanne jedoch den Mehltau. Im Endstadium der Reife kann sie sich empfindlich gegenüber der Edelfäulnis erweisen.
Nach Walliserart becherförmig zugeschnitten, sind die Rebstöcke der Marsanne an ihren gedrehten Spitzen leicht wieder zu erkennen. Die Blätter sind gross, dick, fünfeckig, fast wie aufgeblasen. Die Trauben sind gross, gedrungen, oft mit seitlichen Auslegern, während sich die weiss-grünen, kugelförmigen Beeren, die oft mit einem kupfernen Farbtupfer überzogen sind, zur Schau stellen. Anfangs wurde die Marsanne oft zusammen mit der Rousanne angepflanzt. Diese Rebsorte, frühreifer und weniger fruchtbar, ist heutzutage praktisch ausgestorben.
Die Marsanne ergibt einen reichen und weiten Wein, mit komplexen Aromen, welche an weisse Trüffel und Himbeergeist oder an kleine Waldbeeren erinnern. Diesem Wein kann eine Aufzucht im Eichenfass sehr viel bringen. Die Marsanne besitzt eine überdurchschnittliche Ueberreifungskapazität. Ihre Empfänglichkeit für die Edelfäule gestattet, dank des priviligierten Walliser Klimas, einen Likörwein der Spitzenklasse zu erzielen. Die grossen Marsanne fordern also die Jahrgänge heraus.
Die Marsanne ist in ihrem Heimatland Frankreich sehr gegenwärtig. In 10 Jahren hat sich die Anbaufläche von 406 auf 1121 Hektare vergrössert (Zahlenangabe von 1998). Man findet sie hauptsächlich in den an der Rhone gelegenen Landesteilen (Drôme, Ardèche, Savoyen), aber auch in der Languedoc und in der Provence. In der Schweiz beschränkt sich die Marsanne auf das Wallis, wo sie 37 Hektaren bedeckt; eine sehr stabile Ziffer seit mehreren Jahren. Man findet die Marsanne auch in Italien, Kalifornien und Australien.
Die Marsanne - ein voller, reicher Wein, der wahre Wunder in der Gastronomie vollbringen kann. Zu grilliertem Lachs, einer „Friture de poissons", aber auch zu Kalbsbries oder -nieren, Geflügel an Sauce. Ein „Hühnchen démi-deuil" an Trüffelrahmsauce oder ein geschmorter Turbot an Himbeeressig vermählen sich köstlich mit den Aromen der Marsanne.
Als Spätlese, geht die Marsanne perfekt Hand in Hand mit Edelschimmelkäse, Gänseleber oder sogar zu Desserts mit Waldbeeren.