Pinot Noir Der Pinot kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Spezialisten sind sich einig, ihn in einer Beschreibung des Agrarwissenschaftlers Columelle wieder zu erkennen, die im ersten Jahrhundert unseres Zeitalters gemacht wurde. Man kann also die Behauptung wagen, dass, als Gallien von den Römern erobert wurde, der Pinot Noir dort bereits angebaut wurde. Gemeinhin wird angenommen, dass er aus dem Burgund stammt und dass diese Region sein wahres Vaterland geblieben ist.
Im Kanton Neuenburg existiert ein Dokument aus dem Jahre 998, in dem ein solch bepflanzter Rebberg in Cortaillod Erwähnung findet. Aber man weiss, dass die Benennung Cortaillod dem Neuenburger Synonym für Pinot Noir entspricht. Pierre Galet erwähnt ein Schriftstück im Burgund aus dem Jahre 1394, in welchem man auf die Worte feiner Pinot und feiner Setzling stösst.
Gemäss Claude-Henri Caruzzo, ist die Ankunft des Pinot Noir im Wallis sehr viel neueren Datums, nämlich erst um das Jahr 1848. In jenem Jahr hatte der Staat Wallis 50'000 Rebstöcke bestellt, um sie in der Region Sitten zu pflanzen. Nach dem gleichen Autor, wurde im Jahre 1885 eine kleine Quantität Pinot Noir in Salgesch angezeigt. In jener Epoche gebrauchte man verschiedene Namen: Kleiner Burgunder für den Pinot Noir, und Kleiner Dôle für Pinot Noir und Salvagnin. Die Bezeichnung Grosser Dôle blieb für den Gamay du Beaujolais reserviert. Bis ins Jahr 1942 trug er bei uns nur den Namen Dôle. Wieder war es der berühmte Dr. Henry Wuilloud, der als erster den Namen Pinot de Diolly auf die Etiketten seiner Flaschen drucken liess.
Der Pinot Noir ist eine frühreife Rebsorte (1. Dekade). Wegen des frühzeitigen Knospenaufbruchs ist er frostempfindlich. Je nach Wetterbedingungen (Kälte und Nässe), kann er Opfer von falschem Mehltau und Zerrieselung werden. Er hat ebenfalls eine gewisse Empfindlichkeit gegen Grauschimmel im Endreifestadium gezeigt. Unter der breiten Auswahl an Sorten und Klonen kann man Variationen finden, die an eine grosse Klimavielfalt oder gezielte Bedürfnisse angepasst sind (Frühreife, Fruchtbarkeit, Regelmässigkeit im Ertrag, Gebrauch - nicht schäumender oder sprudelnder Wein -, Fäulnisresistent, etc.).
Den Pinot Noir erkennt man an seinen leicht gezackten Blättern mit einer starken und regelmässigen Blasenbildung. Die kompakten Trauben sind klein bis mittelgross. Was die Beeren anbelangt, so sind sie klein, kugel- oder leicht eiförmig, und ihre Haut ist dick.
Wie gesagt, ist der Pinot Noir ein feiner und delikater Wein; weiblich, würden manche sagen. Diese Eleganz ist auch in den Walliser Pinot Noirs vorhanden. In Anbetracht seiner Frühreife darf er generell nicht an besonders exponierten Lagen gepflanzt werden. Erst nach einigen Monaten in der Flasche kann sich ein Mangel an Finesse und die Entwicklung von pechschwarzen, konfitüreartigen Spuren herausstellen. An „günstigen" Lagen gepflanzt, also wenig exponiert, und bei idealem Reifegrad geerntet, erzielt man fruchtige, seidige und fein tanninhaltige Weine. Gemäss der Auswahl und der angewandten oenologischen Technik kann man unter Umständen lagerungsfähige Pinots gewinnen, konzentrierte Weine, die eine Erziehung im Eichenfass gut vertragen.
Frankreich, das Ursprungsland des Pinot Noir, hat natürlich einen schönen Anteil seiner Weinberge für ihn reserviert: mehr als 10'000 Hektaren im Burgund, vor allem in der Champagne, 1'600 ha im Tal der Loire. Man begegnet ihm, wenn auch in weniger grossem Ausmass, in der Region Jura/Savoyen im Rhonetal und in Südfrankreich.
In Deutschland besiedelt er mehr als 7'500 Hektaren und in Italien rechnet man mit etwa 3'500 ha. Dazu zählt man noch etwa 5'600 ha in den Vereinigten Staaten und die ganz kleinen Weinberge in Portugal, Spanien, Oesterreich, Ungarn, Tschechien, Rumänien, Serbien, Kroatien, Russland, Georgien, Asserbejdschan, Luxemburg, Gross Britannien, Holland. In Uebersee ist der Pinot Noir auch in Argentinien, Uruguay, Kolumbien, Chile, Südafrika, Australien (fast 2000 ha) und China präsent. Das weltweite Total beläuft sich auf beinahe 60'000 Hektare.
Im Wallis ist der Pinot Noir die meist gepflanzte Rebsorte. Sie repräsentiert 34 Prozent aller Weinberge. Insgesamt sind für diese Sorte mehr als 1'804 ha in unserem Kanton reserviert. Wir erinnern uns, dass der Pinot Noir oft allein vinifiziert, aber dennoch mehrheitlich in Zusammensetzung mit dem Dôle wie auch den anderen zahlreichen Mischungen, welchen er seine Feinheit und Fruchtigkeit bringt, verwendet wird.
Es ist schwierig für alle Pinots mit Sicherheit zu definieren, wann und zu was sie passen, so sehr können sie sich von einem Produzenten zum anderen unterscheiden. In der Regel empfiehlt sich der Pinot Noir wegen seiner Feinheit besser zu weissem Fleisch oder manchen roten Fleischgerichten. Er begleitet auch Geflügel oder weniger kräftigen Käse. Aber, gemessen an seiner Finesse, kann ein Pinot Noir auch nur für sich getrunken werden, in dem man seine Feinheit, seine Delikatesse, seine seidige Textur und seine Fruchtigkeit geniesst.