La petite arvine Die Ursprünge der petite Arvine haben lange Zeit die hervorragendsten Spezialisten ratlos gelassen. Seit der Versammlung der Internationalen Forschungsgesellschaft für Weinbau im Jahre 1878 in Genf, nimmt man an, dass diese Rebsorte nirgends ausserhalb des Wallis existiert. Die letzten genetischen Nachforschungen haben es nicht mehr erlaubt, direkte Verwandte für sie nachzuweisen. Man konnte höchstens eine gewisse „genetische Affinität" mit den Rebsorten des Aostatales und in Frankreich bestätigen. Weiter weiss man, dass im vergangenen Jahrhundert die petite Arvine ein bisschen überall im Kanton angebaut wurde, vor allem aber in der Gegend von Martinach-Fully.
Die petite Arvine ist eine späte Rebsorte, die man 20 bis 30 Tage nach dem Chasselas erntet. Obwohl nur mittelmässig kräftig, erbringt sie den Beweis von guter Fruchtbarkeit. Diese Rebsorte stellt jedoch zahlreiche Bedingungen. Dem Wind ausgesetzt, bricht sie sehr leicht. Sie bevorzugt die sonnigen Parketts, verträgt aber nur schwer anhaltende Trockenheit. Die petite Arvine gefällt sich nicht in zu reichem Boden und zeigt sich sehr empfindlich gegenüber Rückständen von Unkrautvernichtungsmitteln.
Die Blätter der Arvine sind gross, ziemlich dünn und wenig ausgeschnitten. Ihre Trauben haben mittlere Grösse und sind vorwiegend dicht gewachsen. Was die grün-gelben Beeren anbelangt, sind sie klein und leicht abgeflacht.
Zu trockenem Wein verarbeitet, ist die petite Arvine ein sehr typischer und herber Wein. In der Nase entwickelt er Aromen von Blüten der Glycinien mit einem Hauch von Honig. Man schmeckt auch eine gewisse Nachbarschaft zu Zitrusfrüchten, Ananas und Rhabarber heraus. Sein Säuregehalt ist im Allgemeinen ziemlich hoch und mit einer salzigen Note versehen. Vollreif geerntet, verspricht die Arvine eine sehr gute Vinosität, welche ihr eine sehr interessante Eignung fürs Altern verleiht.
Als Spätlese erobert sich die Arvine einen Rang bei den grossen Likörweinen. Ihre Aufgeschlossenheit gegenüber der Edelfäulnis, erlaubt es, in manchen Jahren einen aussergewöhnlichen Dessertwein zu gewinnen. Wenn sich die Noten von Pilzen mit denjenigen von kandierten Zitrusfrüchten und von Glyzinien vermischen, und der Zucker sich mit der natürlichen Säure der Traube vermählt, erhält man jenen Grad von Komplexität und Ausgewogenheit, um den sie viele namhafte Jahrgangsweine beneiden können.
Man findet die Arvine nur im Wallis und im Aostatal. Es wird gemunkelt, dass einige renommierte Winzer, in Frankreich und Italien wohlgemerkt, sehr grosses Interesse für die Arvine bekunden und momentan Versuche durchführen...
Im Wallis hat sich die mit petite Arvine angepflanzte Fläche in den letzten zehn Jahren verdoppelt. Zwischen 1997 und 2000 hat man die Anpflanzung von petite Arvine um mehr als 10 Hektar gesteigert (von 54,6 auf 64,9 Hektar). Sie hat ausserdem von den Anstrengungen einer Wiederbepflanzungsaktion im Jahre 2002 profitiert, wovon bereits schon 81 ha von den bald zu erwartenden 100 ha Arvine angepflanzt sind.
Die Namen Arvine und petite arvine werden heutzutage gleichermassen gebraucht. Die grosse Arvine - Abart von grossen Beeren, einer Kreuzung aus Res und einer unbekannten Rebsorte, die vor allem grobe Weine ergibt - ist praktisch verschwunden. Demzufolge ist eine mögliche Verwechslung quasi ausgeschlossen.
Als trockener Wein verträgt sich die Arvine ausgezeichnet mit Käse, Fisch, Krustentieren...Als Spätlese ist sie der idealer Begleiter zu Gänseleber (ihre Salzhaltigkeit und ihr Säuregehalt wirken hier Wunder), aber auch zu Blauschimmelkäse, sobald sie tatsächlich das Likörstadium erreicht hat.