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Weisser Humagne

Der weisse Humagne ist wesentlicher Bestandteil der bodenständigen Rebsorten, die den guten Ruf und die Originalität des Walliser Reb- und Weinbaus ausmachen. An seiner Echtheit ist kein Zweifel zu hegen. Man findet den weissen Humagne nirgends ausserhalb des Wallis und kürzlich durchgeführte Untersuchungen seiner DNA haben keinen Hinweis auf seine Abstammung erbracht.

Man konnte höchstens eine gewisse genetische Affinität zu Rebsorten in Südfrankreich, dem weissen Colombaud aus der Provence und dem Chichaud aus den Ardennen, feststellen.

Das Vorhandensein des weissen Humagne im Wallis ist seit Anfang des 14. Jahrhunderts belegt. Ihm hat man auch den Uebernamen „Wöchnerinnenwein" gegeben, weil er wegen seines höheren Eisengehaltes gegenüber anderen bekannten Weinen, ein sehr hohes Ansehen genoss. Es sei nochmals betont, dass der weisse Humagne nichts mit dem roten Humagne zu tun hat, wobei letzterer lediglich dessen Namen „missbraucht".

Der weisse Humagne ist eine vor allem spätreifende Sorte, die fast drei Wochen nach dem Chasselas ihren Reifegrad erreicht. Diese zwar kräftige Rebsorte ist aber wenig ertragreich und schwer reifend. Ihre Fruchtbarkeit ist kapriziös - Reben, die voll beladen sind, und andere, die keine einzige Traube aufweisen. Andere Schwächen sind ihre Anfälligkeit für Fäulnis und manchmal das Auftreten von Mangel an Magnesiumoxyd. So ist es nicht erstaunlich, dass man für sie die besten Lagen reservieren muss, gut exponiert und belüftet.

Die Blätter des weissen Humagne sind in allem mittelgross: Umfang, Länge, Dichte. Schwach gebläht, fünflappig, bilden sie eine nach unten offene, blattstielähnliche Höhle. Die Beeren von mittlerer Grösse sind auch grün-gelb und abgerundet.

Der weisse Humagne ist ein trockener Wein, im Allgemeinen nicht sehr alkoholreich. In seiner Jugend, gut unterstützt von einer schönen Säure, ist er sehr subtil und harmonisch mit einer delikaten blumigen Note. Aber der weisse Humagne ist auch ein Lagerwein. Mit den Jahren gewinnt er stark an Persönlichkeit, entwickelt Noten von Harzen und Gewürzen, die ihm Rustikalität und Originalität verleihen. Will man einen lagerungsfähigen Wein produzieren, erweist sich der Gebrauch des Eichenfasses als sehr empfehlenswert.

Man findet den weissen Humagne nur im Wallis. Seine Anbaufläche hat sich zwar in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt, aber seine Ansprüche sind derart hoch, dass er wohl dazu verdammt bleibt, als Geheimtipp und Rarität gehandelt zu werden. Man begegnet ihm auf weniger als 13 Hektaren... weltweit!

In seiner Jugend kann der weisse Humagne zu Käsegerichten, zu grilliertem Fisch oder als Aperitif konsumiert werden. Aeltere Jahrgänge passen hervorragend zu einer Geflügelleberterrine oder zu Wild, wie auch nur zu einem Stück Alpkäse für entschlossene Gemüter.

 

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