Gamay Der Gamay hat seinen Ursprung wahrscheinlich in Dalmatien, jener, an der adriatischen Küste gelegenen Region in Kroatien. Vor allem von dort stammen die im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in der Region Lyon angepflanzten Rebsorten. Von dort aus könnte sie zuerst das Beaujolais, dann das Gebiet um Mâcon erobert haben, bevor sie schliesslich das Burgund erreichte, wo auch das kleine Dorf Gamay beheimatet ist, welches ihm schliesslich seinen Namen verlieh. Weil sich die Sorte sehr viel ergiebiger als der Pinot Noir zeigte, haben ihn viele Winzer mit einer gewissen Begeisterung angenommen. Aber die schöne Geschichte des Gamay wurde eines schönen Tages im Jahre 1395 abrupt unterbrochen, als König Philipp der Kühne ihn zum Herausreissen verurteilte, indem er diese Rebe als eine "sehr unlautere Pflanze" einstufte. Und die gnadenlose Verfolgung ging weiter bis ins 19. Jahrhundert, bis sich endlich ihr Ansehen wieder verbesserte. Das war dann in jener Epoche, in der der Gamay im Wallis auftauchte. Alexis Joris, eine ausgewanderter Walliser im Drôme zog einige Stöcke aus dem Weinberg von Dôle und sandte sie nach Sitten. Im Jahre 1857 präsentierte man an der Landwirtschaftsausstellung in Bern die ersten Flaschen des Walliser Dôle. Von da an wurde für ihn der Name "Grosser Dôle" reserviert (im Gegensatz zum "kleinen Dôle", der den Pinot Noir bezeichnet).
Als erste späte Sorte, reift der Gamay zur gleichen Zeit wie der Chasselas. Er ist im Winter ziemlich frostresistent, aber gemessen an seiner frühzeitigen Ausklopfung, zeigt er sich empfindlich gegenüber Frösten im Frühjahr. Dennoch weist der Gamay einige kleine Schwächen auf: Milbenbefall ist ziemlich häufig und man muss auf Mehltauatacken achten, ebenso auf Fäulnis zum Zeitpunkt der Reife. Man erkennt eine Gamayrebe an seinen unbehaarten, flachen, beinahe runden Blättern; ein wenig geprägt durch drei fein mit Zähnen versehenen Lappen. Die zylinderförmige Traube ist eher kompakt. Die Beeren von schöner schwarz-violetter Farbe sind mittelgross, rund und leicht eiförmig.
Im Wallis wird auf 881 Hektaren Gamay kultiviert. Mit 17 % der Gesamtweinanbaufläche im Kanton, besetzt er Platz drei hinter Pinot Noir und Chasselas. Die Kultivierung von Gamay ist als leicht rückläufig zu bezeichnen, da nun einmal 96 Hektare zwischen 1991 und 2002 verschwunden sind. Wenn man weltweit von ungefähr 40'000 Hektaren Gamay ausgeht, so ist er mit 35'600 Hektaren in Frankreich am meisten vertreten. Die Region Burgund-Beaujolais allein kommt auf 25'000 Hektare. Weitere wichtige Anbaugebiete: das Tal der Loire mit seinen 5'500 Hektaren. Die Schweiz mit ihren 2'200 Hektaren ist das zweitgrösste Anbauland der Erde in Sachen Gamay.
Der Gamay stellt einen ausgezeichneten Durstlöscher dar, kann zum Vergnügen getrunken werden. Gemäss seiner Zusammensetzung passt er bestens zu einem Filet vom St. Petersfisch, zu Wurstwaren, gebratenem Geflügel, weissem Fleisch oder nicht zu kräftigem Käse. Und warum nicht einmal einen sehr fruchtigen Gamay zu einem Dessert mit roten und schwarzen Beeren versuchen?