Cornalin Man hat lange gezögert, was den Ursprung des roten Landweins anbelangt, der 1972 Cornalin getauft wurde und Anleihen an den Namen einer alten Rebsorte aus dem Aostatal aufweist. Und die Verwirrung findet ihren Höhepunkt, wenn man weiss, dass der Cornalin aus dem Aostatal in Tat und Wahrheit nichts anderes ist, als der rote Walliser Humagne. Neueste genetische Studien haben Licht in diese Situation gebracht. Der Walliser Cornalin ist tatsächlich eine eigenständige Rebsorte im Wallis, aber seine zwei Eltern - der Mayolet und der Kleine Rote - stammen aus dem benachbarten Aostatal.
Gemäss Claude-Henri Caruzzo, wurde der Cornalin im Wallis schon seit beinahe tausend Jahren kultiviert. „Die Existenz dieser Rebe wurde schon im 11. Jahrhundert angezeigt". Später spricht ein Schriftstück aus dem Jahre 1313 von einer roten Rebe, die zwischen Granges und Lens angesiedelt ist: es könnte sich gut und gerne um den von da an berühmten Landroten handeln. Seit Beginn des Jahrhunderts beklagen die Autoren der Epoche den Rückgang der Anbaufläche des roten Landweins. Im Jahre 1952 findet man ihn nur noch auf dem Gebiet der Gemeinden Granges und Lens. Er musste 30 Jahre auf seine Wiedergeburt warten. Heute stellt eine von Kennern am meisten gefragte Spezialität dar.
Der Cornalin ist eine spätreifende Weinsorte (in der 3. Dekade hastig geerntet). Man muss ihm also unbedingt die besten Anbauflächen reservieren. Wenn er auch als kräftig betrachtet wird, droht er in Anbetracht seiner ärgerlichen Tendenz zum Wechsel zu verschwinden: In einem Jahr bringt ein Rebstock viel hervor - und im nächsten nichts. Heute ist dank der unternommen Auswahlkriterien dieser Fehler weitgehend korrigiert, das Know-How der Fachleute erledigt den Rest. Der Cornalin birgt zwei Hauptschwächen in sich: seine Tendenz zum Magnesiummangel und seine Empfindlichkeit bezüglich der Fäulnis, die auf einen delikaten Film zurückzuführen ist. Während der Reife färben sich die Blätter des Cornalin rot und gelb. Seine Traube ist mittelgross und eher dicht. Die Beere, von einer schönen blau-schwarzen Farbe, ist rund und von mittlerer Grösse.
Der Cornalin ist eine Rebsorte, die im Scheinwerferlicht des Kantons steht. Wenn sie auf den besten Unterböden gepflanzt und von einem talentierten Winzer kultiviert wird, der darauf achtet, dass die Erträge unter 1 kg pro Quadratmeter gehalten werden, ergibt sie einen bemerkenswerten Wein. In einem purpurfarbenen Kleid, mit schönen violetten Reflexen. Seine Fruchtigkeit erinnernd an Sauerkirschen, seine bemerkenswerte Struktur, seine manchmal würzige Note und das Vorhandensein von schönem Tannin machen aus ihm einen Jahrgangswein von grosser Qualität. DerKritker Tom Stevenson bespricht ihn in seiner Weltenzyklopädie des Weins wie folgt: „Der grösste Teil der Rebstöcke dieser lokalen Sorte ist sehr alt und ergibt dunkle, kraftvolle, reiche und konzentrierte Weine, mit einer würzigen Komplexität." Eine schöne Huldigung, die sich der Prinz unserer Weinberge verdient hat. Die Walliser Winzer sind sich ob des Potentials dieser Rebsorte bewusst geworden, seit dem befindet sich der Cornalin im steilen Aufwind. In nur 12 Jahren hat sich die für ihn reservierte Anbaufläche verfünffacht: weniger als 10 ha im Jahre 1990, dann 37,5 ha im Jahre 2000 und 53,4 ha im Jahre 2002. Aber diese Zunahme, die sich in den nächsten Jahren noch fortsetzen wird, hat ihre Grenzen, weil man, - wie gesagt - für ihn nur die schönsten Sonnenlagen in den besten unserer Weinberge reservieren darf.
Dunkelrot und ein ganz kleines bisschen rustikal, passt der Cornalin ganz ausgezeichnet zu einem Walliser Teller. Sehr gut zu rotem Fleisch, Federwild, aber auch, entsprechend seiner Konzentration, zu allen anderen Wildgerichten.