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Chasselas

Der Ursprung des Chasselas ist unbekannt. Von den Spezialisten werden dazu unzählige Hypothesen aufgestellt. Pierre Galet, Autor des berühmten enzyklopädischen Wörterbuches der Rebsorten, zitiert zwei davon. Die erste verleiht ihm einen orientalischen Ursprung. Der Chasselas, oder auf Deutsch Gutedel, wäre in der Umgebung von Konstantinopel angebaut und dann im 16. Jahrhundert von einem Abgesandten von Friedrich I. nach Frankreich mitgebracht worden. Später im 18. Jahrhundert, unter der Regentschaft von Ludwig XV, hätte General de Courten Chasselas-Rebstöcke importiert, die aus dem Weinspalier des Königs in Fontainbleau stammten. Aber Pierre Galet erwähnt ebenfalls die umgekehrte These, die den Ursprung des Chasselas an die Ufer des Genfersees versetzt. Die Zisterzienzer-Mönche hätten den Chasselas seit dem Mittelalter im Dézalay kultiviert. Von da aus soll er sich in alle Richtungen verbreitet haben. Adrien Berget zitierend, der bestätigt, dass „die Traditionen wie die Texte bescheinigen, dass der Fendant schweizerischen Ursprungs ist. Um davon überzeugt zu sein, genüge es, die geographische Verteilung seiner Kultur von der Rebe zum Wein zu studieren". Und weiter nach Berget, seien die berühmten Weinspaliere des Königs von Fontainbleau nicht vor 1750 angepflanzt worden und der Chasselas wäre durch Soldaten der Schlossgarde direkt aus der Schweiz dahin importiert worden. Claude-Henri Caruzzo, Autor von „Walliser Rebsorten", bringt noch andere Hypothesen hervor. Die erste Ansiedlung von Chasselas sei im Süden von Frankreich gelegen, wo Friedrich I. Reben entnommen hätte; in der zweiten wird angenommen, dass das Dorf Chasselas in der Umgebung von Mâcon der Ursprungsort sei.

Sei dem, wie es sei: Man weiss, dass der Chasselas erst im Jahre 1847 wirklich im Wallis Fuss gefasst hat, nämlich während des Sonderbund-Krieges, als die Neuenburger und Waadtländer Regimenter das Wallis besetzten. Das ist auch die Zeit, aus der der Name Fendant stammt, was auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass sich auch manche Chasselasbeere, gepresst zwischen Zollstock und Index, spaltet.

Der Chasselas ist eine Rebsorte der 1. Dekade. Seine Fruchtbarkeit ist hoch, aber der Ertrag kann sich als sehr unregelmässig erweisen. Er zeigt sich empfindlich gegenüber zahlreichen Krankheiten: Chlorose, Mehltau, falscher Mehltau, Wurmbefall....Das frühe Aufbrechen seiner Knospen macht ihn ebenfalls verletzbar bei Frost im Frühling. Dagegen zeigen sich seine grossen, konischen Trauben, die oft lose sind, gegen Grauschimmel resistent. Die Beeren des Chasselas sind leicht zu erkennen: rundlich, ziemlich gross, schön färbend in der Herbstsonne.

Der Fendant ist ein ziemlich neutraler Wein (im Gegensatz zu jenen, die als aromatisch bezeichnet werden). Fruchtig, blumig, mineralhaltig: die Palette der Aromen ist weit, da der Chasselas jene Bodenstoffe aufnimmt, wo er gedeiht. Nicht selten entdeckt man Noten von Feuerstein, Lindenblüten, einer leichten Zitronenfrische. Ein guter Fendant muss Schwere und hohen Alkoholanteil vermeiden. Er soll dank einer angenehmen Säure frisch und süffig bleiben. Im Fall von Ueberproduktion oder schlechtem Wetter kann der Chasselas unangenehmen Geschmack nach Unkraut aufweisen.

Der Chasselas ist die erste Rebsorte für Tischwein, die in Frankreich angepflanzt wird; aber tatsächlich sind die Anbauflächen im Rückzug begriffen: von 1958 bis 1999 haben sie sich um das Sechsfache verringert und bedecken heute weniger als 3500 ha. Als Behälter geeignete Rebsorte, wird der Chasselas in vielen europäischen Ländern angebaut. Insgesamt sind für ihn ungefähr 35'000 Hektare reserviert, davon mehr als 5'000 in der Schweiz. Das sind weniger als in Rumänien (13'000 ha) und in Ungarn (6'000 ha), aber im Vorteil gegenüber Frankreich, wo nur gerade 494 ha zur effektiven Weinproduktion kultiviert werden. Man findet den Chasselas auch in Deutschland, Jugoslawien, Tschechien, Slovakei, Oesterreich, Spanien, Russland, Ukraine, Albanien, Türkei, Italien und Portugal. Der Chasselas hat ebenfalls Nordafrika erobert (Algerien, Libanon, Israel) wie auch entferntere Gegenden: Chile, Kalifornien, Neuseeland.

Wenn auch die weissen Rebsorten im Kanton Wallis immer noch weit vorherrschen, verliert der Chasselas an Geschwindigkeit. Zwischen 1990 und 2000 hat sich die Anbaufläche um 233 ha verringert. Sein Rückzug beschleunigt sich mit der Einführung von finanzieller Unterstützung für das Herausreissen, was auf Ueberproduktion in der ganzen französischen Schweiz zurückzuführen ist. Und dies trotz Einführung von immer strengeren Produktionsquotenbeschränkungen. Im Wallis ist er heute unter die Schranke von 1'500 Hektaren gefallen, gegenüber 1'800 im Jahre 1990.

Der Fendant ist der Wein der traditionellen Walliser Küche. Er begleitet die Raclette oder den Walliser Teller. Im Allgemeinen wird er zu Käse(gerichten) serviert. Passend auch zu grilliertem Fisch oder Meeresfrüchten. Aber vor allem eignet sich der Fendant ausgezeichnet als Apéritifwein, Durstlöscher und zum Trinken in geselliger Runde.

 

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